Palma's Barber Shops

Es ist ein Trend, den wir den Hipstern der Großstädte zu verdanken haben: Mann trägt wieder Bart. Ein Bart ist eine modische Aussage, also eine Frage des Stils. Wer es ernst damit meint, lässt ihn neuerdings in einem Barber Shop pflegen. Geht jetzt auch in Palma, zum Beispiel bei Carlos Martín Peluqueros (Costa de sa Pols 5), der die Räume seines luxuriösen Barber Shops mit ausgesuchten Antiquitäten einrichtete, wie einem Friseurstuhl von 1820. Zum 45-minütigen Barber-Spa gehören Waschen, Bartkorrektur, Rasur, Shiatsu-Kopfhautmassage, Bartöl und Parfum. Das Truhán & Senor (Carrer de la Missió 2) setzt auf ein schlicht-stylisches Ambiente mit gekacheltem Waschplatz, vertäfelten Wänden, Kugellampen und grasgrünen Kinosesseln als Wartebank. Gearbeitet wird auch hier mit Maschine, Schere, Klinge. Im Syndicate Barbers (Placa Progrés 7) von Bob van den Hoek darf Mann endlich wieder Mann sein – statt das Anhängsel der Frau im Damensalon. In gepflegter Vintage-Atmosphäre wird das männliche Haar gerichtet. Und zur Rasur mit warmen Handtüchern gibt's einen Drink, Musik von der Platte und Gespräche über Politik, Sport und die Insel.

Neue Absteige für Globetrotter in Llucmjor

BedNdesk heißt ein Hotel an der Playa de Palma, in dem man einen Arbeitsplatz plus Bett mieten kann. Die Idee zur Unterkunft für moderne Vagabunden hatte Matias Bonet; der Informatiker reiste selbst monatelang um die Welt und brachte das Coliving- und Coworking-Konzept aus San Francisco mit nach Mallorca. In BedNdesk gibt's zehn Arbeitsplätze, schnelles Internet, einen Skype-Konferenzraum sowie eine Wohnung mit Einzel- und Doppellzimmern plus Küche, Wohnraum und Dachterrasse zur gemeinsamen Nutzung (ab 30 Euro/Tag/Person). Zu den Techno-Gypsys, die hier absteigen, gehören Texter, Webdesigner, Online-Marketingexperten und Übersetzer aus über 30 Nationen. Da die Digitalnomaden dieser Welt immer mehr werden, eröffnet Matias Bonet noch ein zweites BedNdesk auf der Plaza von Llucmajor.

Reisernte auf Mallorca

Noch eine Handvoll Landwirte kultiviert die traditionelle Sorte "bombeta" in Sa Pobla im Inselnorden, unter dem Namen "Arròs Grif" kommt sie in den Handel. Menschen, die mit den Füßen im Wasser stehend und Strohhüte tragend büschelweise Reis schneiden, sieht man allerdings nirgends. Die Reispflanzen stehen auf Mallorca nicht im Wasser, sie wachsen wie Getreide auf dem Acker, wo sie bewässert und per Mähdrescher geschnitten werden. Rund 45 Tonnen beträgt die Ernte im Jahr, und mit 6,50 Euro pro Kilo ist das Inselkorn nicht gerade preisgünstig. Dafür sei es sehr ergiebig, behaupten die Mallorquiner, man benötigt pro Person nur die Hälfte der Menge von Langkornreis. Das Besondere: Die ursprünglich aus Valencia stammende Reissorte bleibt al dente und der Reis schmeckt aufgewärmt am Abend oder am nächsten Tag noch genauso gut. Da er sich beim Kochen auf die drei- bis vierfache Größe ausdehnt, kann er viel Würze und Geschmack aus der Brühe annehmen, in der er auf Mallorca gekocht wird, beispielsweise als arròs brut (Brühe mit Fleischeinlage) oder in der Paella.

Wandern und meditieren im Kloster Lluch

Das Ich am Berg fokussieren. Das geht so: Noch vor dem ersten Kaffee steigt die Wandergruppe schweigend hinter der Klosterkirche von Lluc zum Camí dels Misteris, dem Mysterienweg hoch. Macht es sich auf dem Plateau vor der Rosenkranz-Station zu einer kleinen Morgenmeditation bequem. Meditieren, wandern, Yoga heißt das Programm für die nächsten drei Tage. Sich bewegen und zur Ruhe kommen gleichzeitig. So lautet das Angebot von Karmahike, einer kleiner Reiseagentur aus Berlin. Das Konzept: Kleine Gruppen und einfache Unterkünfte mitten in der Natur. Für ein verlängertes Wochenende braucht man nur einen kleinen Rucksack zu packen, verzichtet bewusst auf Ablenkungen wie Fernsehen, Telefon, Internet. Das scheint im Tramuntana-Gebirge rund ums Kloster Lluc von allein zu funktionieren: Weite Ausblicke ins Tal lassen befreit durchatmen, der Wind streichelt angenehm die Haut, das Laub raschelt beruhigend unter den Schuhsohlen. Die bizarren Karstfelsen und Kiefernwälder geben dem Ort eine ganz eigene spirituelle Aura. So lässt man sich während der Tage auch mal auf Kurioses ein. In einer Wanderpause sucht sich jeder einen Baum aus, betrachten ihn, umarmt den Stamm, setzt sich neben den Baum, lehnt sich an den Stamm, hält zehn Minuten inne. Den Moment wahrnehmen und das kleine Ich mit dem großen Ganzen verbinden. www.karmahike.com

Leben wie ein echter Seefahrer

Wo gibt's denn so was .. Wie früher die richtigen Seefahrer, leben und arbeiten Mikel, Nuria und ihre Kinder Iñaki und Sara ganzjährig auf ihrem Segler – die Rafael Verdera erlebte ihre Taufe bereits 1841 und ist das älteste in Spanien aktive Segelschiff. Sara und Iñaki sind auf dem Boot geboren und haben nie eine Schule besucht, denn Mikel und Nuria entschieden, die Ausbildung selbst zu übernehmen. Die Familienmitglieder teilen sich die Hausarbeit und warten das Boot, das ihnen als Zuhause, Büro, Spiel- und Arbeitsplatz gleichzeitig dient. Ihr tägliches Brot verdienen sie mit Bootsausflügen auf ihrem zauberhaften Schoner, Sara und Iñaki begeistern die Gäste mit Akrobatik-Darbietungen an den Schiffsmasten. „Wir kämpfen für dieselbe Idee und wachsen gemeinsam daran“, beantwortet Nuria die Frage, wie ein Familien- und Paarleben auf so engem Raum funktionieren kann. Eine feste Routine kennen die Schiffsbewohner nicht, es gibt aber einen „Rhythmus der Aktionen“, der das Miteinander organisiert. Komplett aus Holz gebaut, fühlt sich das Segelschiff im Gegensatz zu modernen Plastik-Yachten noch sehr organisch an – darauf mitzusegeln ist ein Erlebnis! www.rafaelverdera.com